Stoppen wir den Trend: für mehr Akzeptanz von Impfungen in Europa
Impfungen gehören zu den wirksamsten, kostengünstigsten Maßnahmen für die öffentliche Gesundheit, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. Dennoch sterben in der EU immer noch Menschen an Infektionskrankheiten wie Masern oder Grippe. Xavier Prats Monné, Generaldirektor für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, erläutert die Bedeutung der EU-weiten Zusammenarbeit und der gemeinsamen Verpflichtung zur Bewältigung dieser gesundheitlichen und gesellschaftlichen Herausforderung.
Haben die Menschen die Segnungen der Impfungen vergessen?
Ja, ich fürchte, wir in der EU sind im Hinblick auf Impfungen zu selbstgefällig geworden. Wir haben vergessen, dass vor der Einführung von Impfungen zahlreiche Kinder starben oder lebenslange Behinderungen davontrugen. Dank der Impfung haben wir die Pocken ausgerottet, die allein im 20. Jahrhundert mindestens hundert Millionen Todesopfer gefordert haben. Zahllose weitere Todesopfer durch Krankheiten wie Masern, Diphterie und Meningitis konnten ebenfalls verhindert werden.
Dennoch gibt es derzeit in mehreren EU-Ländern und Nachbarländern eine nie dagewesene Anzahl an Ausbrüchen von durch Impfungen verhütbaren Krankheiten. Von 2016 bis 2017 verdreifachte sich die Anzahl der Masernerkrankungen, und in den letzten beiden Jahren starben mehr als 50 Menschen daran. Bei der saisonalen Grippe liegt die Durchimpfungsrate bei älteren Menschen weiterhin unter den angestrebten 75 %, und das ECDC schätzt die Anzahl der Todesfälle in Europa aufgrund der damit verbundenen Komplikationen auf 40 000.
Warum sollten wir dieses Problem gemeinsam auf EU-Ebene angehen?
Infektionskrankheiten wie Masern, Diphterie oder Influenza machen nicht an nationalen Grenzen halt. Vernachlässigt ein EU-Land seine Impfprogramme, dann ist die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger in der EU gefährdet. Der EU-Mehrwert bei der Bekämpfung von Krankheiten, die durch Impfungen verhindert werde können, liegt auf der Hand. Um unsere gemeinsamen Herausforderungen zu bewältigen sind mehr koordinierte Ansätze und gemeinsame Bemühungen der Kommission und unserer Agenturen und nationalen Behörden sowie unserer Partner im Gesundheitswesen, in Bildung, Forschung und Zivilgesellschaft erforderlich. Wir haben in den letzten Monaten zur Verstärkung der Zusammenarbeit viel Unterstützung durch all diese Partner erfahren.
Gibt es Beispiele für diese gemeinsamen Herausforderungen?
Zunächst geben die Auswirkungen der Impfskepsis auf die Immunisierungsprogramme zunehmend Anlass zur Sorge. Falsche Vorstellungen über Impfungen haben den Blick der Öffentlichkeit von ihrem Nutzen abgelenkt und zu einem Misstrauen gegenüber der Wissenschaft allgemein und zu Angst vor möglichen Nebenwirkungen geführt. Bei unserer öffentlichen Konsultation zu dem Vorschlag kam dies sehr deutlich zum Vorschein. Die Menschen haben berechtigte Fragen, die nicht zufriedenstellend beantwortet wurden, und sie sind sich oft auch nicht bewusst, wie gefährlich einige der durch Impfungen vermeidbaren Krankheiten sind.
Eine weitere Herausforderung sind die sehr unterschiedlichen Impfstrategien und Zeitpläne der EU-Länder. Das kann besonders problematisch sein für Menschen, die im Laufe ihres Lebens in unterschiedlichen EU-Ländern wohnen. Andere Faktoren sind Hindernisse beim Zugang zu Impfstoffen, Lieferengpässe und Probleme bei der Forschung und Entwicklung in Bezug auf neue und bestehende Impfstoffe.
Was schlägt die Kommission für die Zukunft vor?
Die Kommission hat einen ehrgeizigen Vorschlag zur Durchführung einer starken, gemeinsamen Anstrengung in der gesamten EU vorgelegt, um die Durchimpfungsrate zu erhöhen und zu gewährleisten, dass alle Menschen Zugang zu Impfungen haben.
- Wir fordern die nationalen Behörden auf, bis 2020 nationale Impfpläne vorzulegen, die für Masern eine Zielvorgabe von mindestens 95 % Abdeckung enthalten.
- Zur Bekämpfung der Impfskepsis sollte die Kommission bis 2019 ein Webportal einrichten, über das berechtigten Sorgen mit klaren, transparenten und überprüfbaren Daten begegnet wird.
- Das Problem der voneinander abweichenden Impfprogramme sollte durch Leitlinien für einen Kern-Impfkalender angegangen werden, der gemeinsam bis 2020 zu erstellen ist.
- Ungleichheiten beim Zugang sollten durch ein virtuelles europäisches Register mit Daten zu Impfstoffbeständen und -bedarf sowie durch gezielte Sensibilisierungsmaßnahmen bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen ausgeglichen werden.
Dies sind nur einige der Empfehlungen zur Gewährleistung nachhaltiger, gerechter und wirksamer Impfprogramme in der gesamten EU. Impfungen sind so wertvoll für die öffentliche Gesundheit, dass kein Land sie vernachlässigen darf. Wir vertrauen auf den Einsatz der Mitgliedstaaten und all unserer Partner, unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen.
Aktivitäten auf EU-Ebene
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Europäische Kommission – Gesundheit und Lebensmittelsicherheit |
Aktuelles
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Da aufgrund sinkender Durchimpfungszahlen Ausbrüche von vermeidbaren und tödlichen Erkrankungen in der EU ansteigen, hat die Kommission am 26. April 2018 eine Reihe von Empfehlungen an die Mitgliedstaaten gerichtet, wie sie diese Gesundheitsgefahr angehen sollen. Für die Öffentlichkeit hat sie außerdem ein Video und ein Infoblatt veröffentlicht. |
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Am 19. April 2018 nahm das Europäische Parlament eine Entschließung an, in der unter anderem darauf hingewiesen wird, dass das schwindende Vertrauen der Öffentlichkeit gegenüber Impfungen eine ernste Bedrohung für die Gesundheit ist. Außerdem wird die Kommission aufgefordert, ihre Bemühung um eine Verbesserung der Durchimpfungsrate zu erhöhen. |
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Europäische Impfwoche 2018: Impfung ist ein individuelles Recht und eine gemeinsame Verantwortung Die Europäische Woche der Impfung fand vom 23. bis 29. April 2018 statt. Die von der Europäischen Region der WHO organisierte jährliche Initiative dient der Bewusstseinsbildung für die Bedeutung der Impfung. |
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Dr. Simone Steil, Leiterin des Referats präventive Medizin im luxemburgischen Gesundheitsministerium, präsentiert anlässlich der Europäischen Impfwoche in diesem Video in leicht verständlicher Form Informationen über Impfungen. |
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Die in Zusammenarbeit mit der London School of Hygiene and Tropical Medicine durchgeführte Umfrage soll das Verhalten von Eltern in Bezug auf die Impfung ihrer Kinder sowie Ansichten und Überzeugungen hinsichtlich Sicherheit und Effizienz von Impfungen untersuchen. |
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In ihrer aktuellen Wochenausgabe veröffentlicht die Fachzeitschrift für die Überwachung von Infektionskrankheiten, Epidemiologie, Prävention und Kontrolle mehrere Artikel über die Impfung. |
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Sachverständigenrat um Stellungnahme zu Impfprogrammen und Gesundheitssystemen in Europa ersucht Der Sachverständigenrat für wirksame Gesundheitsinvestitionen wurde ersucht, Informationen zur Wirksamkeit und Effizienz verschiedener Impfprogramme zu prüfen. |