Skip to main content
Public Health

Newsletter von Gesundheit-EU 228 – Fokus

Nutzen die Bürgerinnen und Bürger der EU die durch die Richtlinie über die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung geschaffenen Möglichkeiten?

Andrzej Rys, für Gesundheitssysteme, medizinische Produkte und Innovation zuständiger Direktor in der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Kommission, stellt fest, dass die Richtlinie über die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung die Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitssystemen verbessert und Klarheit darüber geschaffen hat, welche Rechte Patienten haben, die sich in einem anderen Land der Europäischen Union medizinisch behandeln lassen. Da diese Rechtsvorschrift die EU-Bürgerinnen und -Bürger konkret betrifft, sollte sie besser bekannt sein.

Welche Lehren wurden aus diesem Dreijahresbericht der Kommission gezogen?

Der Bericht verdeutlicht, dass es nicht darum geht, Menschen zum „Medizintourismus“ anzuregen. Vielmehr soll die Wahrnehmung des Patientenrechts auf bestmögliche Behandlung durch erfahrene Fachleute auch dann ermöglicht werden, wenn dies im eigenen Land nicht ohne ungebührliche Verzögerung möglich ist.

Welche Wirkung hatte die Richtlinie bisher?

Die Richtlinie sorgte für Rechtssicherheit und Klarheit sowohl für im Ausland behandelte Patienten als auch für Patienten im eigenen Land. Dies kommt nicht nur den Patienten selbst zugute, sondern auch den für ihre Verwaltung zuständigen nationalen Behörden.

Außerdem hat die Richtlinie den Mitgliedstaaten ermöglicht, ihre Kräfte in Form von freiwilliger Zusammenarbeit und Kohäsion zwischen Grenzregionen zu bündeln und die Synergien im Bereich der elektronischen Gesundheitsdienste und der Europäischen Referenznetze für seltene und komplexe Krankheiten auszubauen. Die im März 2017 in Vilnius ins Leben gerufenen 24 Europäischen Referenznetze verbessern Diagnose, Behandlung und Verwaltung seltener Krankheiten. Zusammenarbeit und die Bündelung von Ressourcen ebnen den Weg für Durchbrüche in der Forschung. So wurden erhebliche Fortschritte erzielt, und ich freue mich, dass die Europäischen Referenznetze ein sehr konkretes Beispiel für den Mehrwert der EU darstellen und verdeutlichen, wie viel wir gewinnen können, wenn wir themenbezogen zusammenarbeiten anstatt einzeln oder in Silos.

Was sind die nächsten Meilensteine?

Die Einhaltungs- und Konformitätsprüfungen und die Dialoge mit den Mitgliedstaaten werden auch im kommenden Berichtszeitraum fortgesetzt. Außerdem werden Mobilitätsdaten stärker genutzt. Eine ordnungsgemäße Umsetzung des EU-Besitzstands vor allem im Gesundheitsbereich ist ein laufender Prozess, und es bleibt noch viel zu tun. Bürgerinnen und Bürger über ihre Rechte und den Inhalt der Richtlinie aufzuklären ist weiterhin eine Herausforderung. Zwar wurden nationale Kontaktstellen für die Information der Bürger eingerichtet, doch deren Existenz ist nicht immer bekannt.

Grenzüberschreitende Patientenströme weisen ein stabiles Muster auf; meist sind sie von geografischer oder kultureller Nähe geprägt. Allgemein betrachtet sind die Patientenmobilität und ihre finanziellen Implikationen eher gering: Die Richtlinie über die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung hat also keine negativen Auswirkungen auf die langfristige Tragfähigkeit der Gesundheitssysteme. Es muss in Zukunft größerer Nachdruck auf die Verknüpfung unserer Gesundheitssysteme gelegt werden. Dies ist insbesondere angesichts der rasanten Entwicklung im Bereich der elektronischen Gesundheitsdienste unerlässlich.

Aktivitäten auf EU-Ebene

Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung

Europäische Kommission – Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Aktuelles

Wirksamkeit der Richtlinie über Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung ist belegt

Seit der Annahme der Richtlinie war keine weitere Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs erforderlich, um Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Außerdem sind diese Rechte zunehmend allgemein bekannt. Dennoch sind die Patientenmobilität und die damit verbundenen finanziellen Auswirkungen eher gering.

Bericht zur EU-Richtlinie über die Ausübung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung

Seit der Umsetzung der Richtlinie 2011/24/EU vor drei Jahren ist die grenzüberschreitende Patientenmobilität leicht angestiegen. Lesen Sie mehr über die Auswirkungen der Richtlinie in dem in allen EU-Sprachen verfügbaren Bericht.

Factsheet beantwortet Fragen zum Modell der europäischen Referenznetzwerke im Hinblick auf die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung in der EU

Das neue Factsheet über die Anwendung des ERN-Modells bei der europäischen Zusammenarbeit im Bereich der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung wurde am 10. Dezember 2018 veröffentlicht.

Studie zu grenzüberschreitenden Gesundheitsdiensten zeigt Fortschritte und Verbesserungsbedarf beim Zugang der Patienten zu Informationen

Im Rahmen der Studie wurden Verbesserungen der Websites der nationalen Kontaktstellen genannt, doch sollten noch mehr Daten über Patientenrechte, Qualitäts- und Sicherheitsstandards und die Erstattung von grenzüberschreitenden Gesundheitsleistungen bereitgestellt werden. Außerdem wurden mithilfe der Studie ein Instrumentarium und Schulungsmaterial für die nationalen Kontaktstellen erstellt.

Überblick über die Patientenmobilität durch Daten der Mitgliedstaaten zur grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung

Für diesen Bericht wurden von Juli – November 2017 erfasste Daten zur Patientenmobilität im Berichtsjahr 2016 zusammengefasst. Gegenstand waren sowohl vom Mitgliedstaat, in dem der Patient versichert ist, vorab genehmigte Behandlungen als auch Behandlungen, für die keine Vorabgenehmigung erforderlich ist.

Die zehn häufigsten Fehler in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung – und wie man sie vermeidet!

Alle Bürger/innen der EU und des EWR haben das Recht, in jedem anderen EU-Mitgliedstaat, in Island, Liechtenstein oder Norwegen öffentliche oder private Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch zu nehmen und die Kosten dafür ganz oder teilweise erstattet zu bekommen. Doch zunächst sollten sich die Patienten in dieser Broschüre über vermeidbare Fehler informieren!

Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung: Reisen zwischen der EU und dem VK

Mitteilung zu Reisen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU.

Projekte im Rahmen des Programms „Gesundheit“

Europäisches Referenznetz für Forschungen zu Krebs bei Kindern

Aufgabe des ERN „PaedCan“ ist es, die Heilungschancen von Krebs im Kindesalter und von bösartigen hämatologischen Krankheiten zu verbessern, indem die derzeitigen Ungleichheiten in den einzelnen Mitgliedstaaten verringert werden.

Partner des ERN-PaedCan: Netzwerk für seltene Tumore bei Kindern – europäisches Register

In vier europäischen Ländern gibt es nationale Register, die epidemiologische, klinische und Behandlungsdaten von Kindern und Jugendlichen mit sehr seltenen Tumoren erfassen. Mit diesem Projekt sollen die Register über ein europäisches Register für seltene Tumore bei Kindern vernetzt werden und dadurch das ERN PaedCan unterstützen.

Europäisches Referenznetz zu seltenen und nicht diagnostizierten Hautkrankheiten – Partnerschaftsrahmenvereinbarung

Das ERN-Skin soll das hochwertige Patientenmanagement für seltene, komplexe und nicht diagnostizierte Hautkrankheiten verbessern, indem Qualität, Sicherheit und der Zugang zu hochspezialisierter medizinischer Versorgung gefördert werden. Bei diesen Krankheiten sind Fehldiagnosen häufig.

Weitere Links zum Thema

Nationale Kontaktstellen für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung

Europäische Referenznetze