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Public Health

Newsletter von Gesundheit-EU 243 – Fokus

Digitale Lösungen können die Gesundheitsversorgung einfacher und gerechter machen

Andrzej Rys, Direktor für Gesundheitssysteme, medizinische Produkte und Innovation in der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Kommission, erläutert die Vorteile und Chancen der Digitalisierung, aber auch ihre Herausforderungen.

Warum sind Investitionen in digitale Gesundheitsdienste wichtig?

Warum? Digitale Lösungen könnten die Gesundheitsversorgung und Pflege revolutionieren und dadurch den Gesundheitszustand vieler Millionen Menschen verbessern. Die Digitalisierung trägt dazu bei, dass Patienten auch im Ausland medizinisch weiterversorgt werden können. Ebenso wichtig ist aber, dass dank der Digitalisierung alle Patienten unabhängig von ihrem Wohnort die gleiche Chance haben, in den Genuss hochwertiger Behandlungsmethoden zu kommen.

Der Vorteil der Europäischen Referenznetzwerke besteht darin, dass Patienten mit seltenen Krankheiten fachlichen Rat von Spezialisten aus ganz Europa erhalten können, ohne reisen zu müssen: Über eine Plattform auf EU-Ebene sind virtuelle Konsultationen möglich. So reist das Wissen, nicht der Patient.

Durch die Digitalisierung verschiebt sich der Schwerpunkt der Gesundheitssysteme vom Krankenhaus stärker in die Gemeinschaft hinein. Digitale Behandlungsverfahren können den Bedarf an persönlichen Konsultationen insofern senken, als sich beispielsweise Routine-Checkups von zu Hause aus durchführen lassen. Außerdem kann der Einsatz digitaler Instrumente zu einer besseren Nutzung von Gesundheitsdaten in der Forschung und auf diese Weise zur Förderung von Innovation und zur Entwicklung neuer Therapien beitragen.

Was tut die Kommission im Bereich der digitalen Gesundheitsversorgung?

2018 beschloss die Kommission einen dreiteiligen Plan für die digitale Umgestaltung der Gesundheitsversorgung und Pflege im digitalen Binnenmarkt. Im ersten Teil dieser Mitteilung geht es um die Förderung eines besseren Zugangs zu den Gesundheitsdaten der Bürgerinnen und Bürger und um den Austausch dieser Daten. Fünf Mitgliedstaaten, zu denen bald zwei weitere hinzukommen werden, haben bereits mit dem grenzübergreifenden Austausch der Gesundheitsdaten von Patienten über Apotheken (elektronische Verschreibungen) und Krankenhäuser im Falle von Notaufnahmen (Patientenkurzakten) begonnen. Bis zum Jahr 2021 sollen weitere 15 Mitgliedstaaten hinzukommen. Im vorigen Jahr verabschiedete die Kommission eine Empfehlung für ein europäisches Austauschformat für Patientenakten, um die in den Patientenkurzakten enthaltenen Daten um Informationen wie Laboruntersuchungen, medizinische Bildgebung und Entlassungsberichte zu ergänzen.

Im zweiten Teil der Mitteilung geht es um Datenaustausch zu Forschungszwecken. Ein gutes Beispiel ist die Erklärung „Eine Million Genome“, mit der sich 21 Mitgliedstaaten verpflichtet haben, eine Forschungskohorte von mindestens einer Million Genomsequenzen aufzustellen.

Im dritten Teil werden geht es darum, mehr Menschen den Einsatz der digitalen Gesundheitstechnologien nahezubringen und ihr digitales Wissen und ihre Fertigkeiten zu verbessern. Außerdem sollen gemeinsame Grundsätze für die Validierung und Zertifizierung von Gesundheitstechnologie festgelegt und bewährte Verfahren ausgetauscht werden.

Wie sieht die Zukunft der digitalen Gesundheitsversorgung aus?

Die Kommission arbeitet zusammen mit den Mitgliedstaaten daran, einen gemeinsamen europäischen Raum für Gesundheitsdaten zu schaffen, in dem Zugang und Austausch von Daten zu Pflege- und Forschungszwecken im Einklang mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und unter Einhaltung strenger Sicherheitsvorschriften erfolgen werden. Die Daten werden von den nationalen Behörden und verschiedenen Interessenträgern zum Vorteil aller Betroffenen unter sicheren Bedingungen geteilt, überprüft und ausgewertet. Das riesige Potenzial, das sich der Forschung bei einem Zugriff auf Gesundheitsdaten bieten würde, kann derzeit beispielsweise aufgrund von Gesetzeslücken, mangelnder Interoperabilität der Infrastrukturen oder fehlender Verhaltenskodizes für den sicheren Austausch personenbezogener Daten nicht genutzt werden. Die Suche nach den richtigen Verwaltungsmodellen sowie nach Infrastrukturinvestitionen, angemessenen ethischen Leitlinien und Maßnahmen zum Schutz personenbezogener Daten ist eine große Herausforderung.

Wir möchten alle an den Vorteilen der Digitalisierung teilhaben lassen – doch nicht auf Kosten der Privatsphäre. Aus diesem Grund wird die DSGVO nun in allen Mitgliedstaaten durchgesetzt. Derzeit prüfen wir, wie sie in den Mitgliedstaaten angewendet wird, und dies vor allem im heiklen Gesundheitsbereich.

Aktivitäten auf EU-Ebene

Elektronische Gesundheitsdienste (eHealth): Digitale Gesundheitsversorgung und Pflege

Europäische Kommission – Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Wandel im Gesundheitswesen und in der Pflege im digitalen Binnenmarkt

Europäische Kommission, Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien

Aktuelles

Digitale Patientenkurzakten können nun zwischen Luxemburg, Kroatien und Tschechien ausgetauscht werden

Digitale Patientenkurzakten bieten einen Überblick über Allergien, aktuelle Medikation und die Krankengeschichte von Patienten, zum Beispiel frühere Operationen. Sie können bereits zwischen den folgenden EU-Ländern ausgetauscht werden: Luxemburg oder Kroatien (Einreisende) und Tschechien (Ausreisende) bei ungeplanten Behandlungen (Notfälle).

Europäische Referenznetzwerke erhalten finanzielle Unterstützung für die Einrichtung von Patientenregistern zu Forschungszwecken

Diese virtuellen Netze unterstützen die Zusammenarbeit von Beschäftigten im Gesundheitswesen, die in 25 europäischen Ländern Patienten mit seltenen oder komplexen Krankheiten behandeln.

Kommission nimmt Empfehlung für ein europäisches Austauschformat für elektronische Patientenakten an

Deshalb soll die Verwendung der Patientenakten auf Laboruntersuchungen, Krankenhausentlassungsberichte sowie medizinische Bildgebung und diesbezügliche Berichte ausgeweitet und die grenzüberschreitende Interoperabilität elektronischer Patientenakten vereinfacht werden.

21 Mitgliedstaaten haben die Erklärung „Eine Million Genome“ unterzeichnet

Die Unterzeichner dieser Erklärung verpflichten sich, bis 2022 eine Forschungskohorte von mindestens 1 Million Genomsequenzen und bis 2025 10 Millionen Genomsequenzen aufzubauen.

Meilenstein bei Projekt „Harmony“: Daten von 45 000 Patienten mit Blutkrebs erfasst

Das Projekt ist Teil des Programms „Big Data for Better Outcomes“ (Massendaten für bessere Ergebnisse) der Initiative „Innovative Arzneimittel“ und soll Echtdaten von Blutkrebspatienten bündeln, damit sich Krankheitsverläufe besser nachvollziehen lassen und die Entwicklung besserer und wirksamerer Behandlungsmethoden unterstützt werden kann.

35 Millionen Euro für die Entwicklung von KI-Tools und für Analysen zur Krebsprävention und -behandlung

Um die Entwicklung von Tools und Analysen zur Krebsprävention und -behandlung zu fördern, einschließlich Instrumenten der künstlichen Intelligenz für die Analyse medizinischer Bildgebung wurde eine Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen veröffentlicht.

ROADMAP präsentiert „Data Cube“: ein dynamischer Überblick über die in Europa verfügbaren Forschungsdaten zu Alzheimer

Die öffentlich-private Partnerschaft ROADMAP wird über die Initiative „Innovative Arzneimittel“ finanziert und soll Echtdaten zur Alzheimer-Krankheit aus verschiedenen Quellen und Ländern zusammentragen. Der 3D-Datenwürfel wurde entwickelt, um alle aktuell verfügbaren Forschungsdaten darzustellen.

Das Potenzial der Blockchain-Technologie in Europa

Blockchain ist eine Technologie für dezentrale Transaktionsnetzwerke, in denen Datentransaktionen abschließend dezentral gespeichert werden und so den Austausch vertraulicher Gesundheitsdaten nachvollziehbar und sicher machen.

Projekte im Rahmen des Programms „Gesundheit“

Gemeinsame Aktion zur Unterstützung des eHealth-Netzes

Die Gemeinsame Aktion „eHAction“ unterstützt das Netz für elektronische Gesundheitsdienste, in dessen mehrjährigem Arbeitsprogramm 2018–2021 als Ziel festgelegt ist, den Einsatz von eHealth bei der Behandlung von chronischen Krankheiten und Multimorbidität zu erforschen.

Weitere Links zum Thema

Weltgesundheitsorganisation – elektronische Gesundheitsdienste