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Public Health

Newsletter von Gesundheit-EU 246 – Fokus

Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft für unsere Kinder

Caroline Costongs, Direktorin von EuroHealthNet (der europäischen Partnerschaft zur Förderung von Gesundheit, Chancengleichheit und Wohlbefinden), setzt sich dafür ein, die Verbesserung der Gesundheit und den Abbau von Ungleichheiten mit Klimaschutzinitiativen zu verbinden. Diese Herangehensweise bezeichnet sie als „Triple-Win“-Ansatz. Sie weist auf die Ergebnisse der EU-finanzierten INHERIT-Initiative hin, deren Abschlusskonferenz am 10. Dezember 2019 stattfand.

Warum Umweltschutz und Chancengleichheit mit Gesundheit verbinden?

Die Klima- und Umweltkrisen stellen eine ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. Diese sollten dringend in Angriff genommen werden, was bedeutet, dass Regierungen, Unternehmen, Gemeinden und Einzelpersonen für Veränderungen offen sein müssen. Das Gesundheitswesen spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle, nicht nur bei der Ökologisierung von Gesundheitssystemen, sondern auch indem die Chance zur Zusammenarbeit ergriffen und eine nachhaltige, gesunde Verhaltensänderung ermöglicht und gefördert wird.

Wir müssen uns auch dessen bewusst sein, dass sozioökonomisch benachteiligte Menschen am stärksten vom Klimawandel betroffen sein und gleichzeitig am wenigsten von den dagegen ergriffenen Maßnahmen profitieren werden. Die INHERIT-Initiative hat vier Jahre lang die Beziehungen zwischen Gesundheit, Umwelt und Chancengleichheit untersucht und fordert nun zu einem integrierten „Triple-Win“-Ansatz auf, um miteinander verbundene ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen in Angriff zu nehmen: die Verringerung von Umweltauswirkungen, die Verbesserung von Gesundheit und das Erreichen einer größeren gesundheitlichen Chancengleichheit.

Wie können diese Veränderungen tatsächlich herbeigeführt werden?

Veränderungen wird es nur geben, wenn alle mitmachen. Wir müssen Gemeinden dazu anregen, Maßnahmen zu ergreifen, indem wir ihnen Startfinanzierungen und politische Unterstützung bieten.

Nehmen wir als Beispiel den „Food Garden“ in Rotterdam, einen Gemeinschaftsgarten, der Familien mit niedrigerem Einkommen mit biologisch angebauten Lebensmitteln versorgt. Die Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich und er basiert auf einem hybriden Geschäftsmodell (finanziert aus privaten, gemeinschaftlichen und öffentlichen Quellen). Das Projekt hat in vielerlei Hinsicht positive Auswirkungen: Es ermöglicht eine berufliche Ausbildung und unterstützt Arbeitslose beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt, es produziert gesunde, nachhaltige Lebensmittel und sorgt für die Begrünung eines städtischen Gebiets. Dieser Bottom-Up-Ansatz ist für Veränderungen von entscheidender Bedeutung und sollte unbedingt in großem Umfang von lokaler bis zur EU-Ebene gefördert und unterstützt werden.

Der „Food Garden“ ist nur eine der Initiativen, die von INHERIT untersucht wurden: Fundierte Analysen wurden zu 15 „Triple-Win“-Fallstudien in 12 Ländern durchgeführt, und zwar im Hinblick auf nachhaltiges und gesundes Wohnen (Grünfläche, Energieeffizienz), Mobilität (aktive Fortbewegung) und Konsum (Lebensmittelerzeugung und -konsum). Die daraus gezogenen Schlüsse können Entscheidungsträgerinnen und -trägern dabei helfen, einen integrierten Ansatz zu verfolgen, Mittel entsprechend einzusetzen sowie Rechtsvorschriften anzugleichen und dadurch Maßnahmen anzustoßen.

Können Einzelpersonen etwas tun?

Auf jeden Fall! Jede noch so kleine Tat ist eine große Hilfe. Es sind individuelle Entscheidungen, die unsere Gesellschaften nachhaltiger machen. Sehr wichtig ist jedoch, Menschen für ihr jetziges Verhalten keine Vorwürfe zu machen. Wir wissen alle, dass es nicht einfach ist, sich zu ändern. Dafür braucht es Motivation, Fähigkeiten und Möglichkeiten. Das eigene Verhalten zu ändern kann vor allem für weniger wohlhabende und für schutzbedürftige Menschen schwierig sein, da es für sie häufig schwer ist, aus ihrem Alltag „auszubrechen“. Entscheidungsträgerinnen und -träger können helfen, indem sie soziale und physische Rahmenbedingungen schaffen, die positive Veränderungen für Einzelpersonen leichter machen. Wir müssen auch dafür sorgen, dass gesunde, nachhaltige Lebensmittel, Grünflächen und aktive Fortbewegung attraktiv und leistbar werden.

Führende nationale, lokale und EU-Entscheidungsträgerinnen und -träger, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Ökonominnen und Ökonomen haben bei der INHERIT-Abschlusskonferenz über diese Themen diskutiert. Jetzt ist es an der Zeit, dass ihren Worten rasch Taten folgen und eine nachhaltige Welt geschaffen wird, die wir künftigen Generationen guten Gewissens überlassen können.

Aktivitäten auf EU-Ebene

Soziale Faktoren

Europäische Kommission – Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Aktuelles

Führende Experten tauschen sich auf der abschließenden INHERIT-Konferenz über die Schaffung einer gesunden, fairen und nachhaltigen Zukunft aus

Es wurden wichtige Einblicke darüber gewährt, wie Kommission, Parlament und Mitgliedstaaten mit integrierten Maßnahmen die Ziele für nachhaltige Entwicklung sowie den Dreifachnutzen („Triple-Win“) von INHERIT erreichen möchten, wie Gemeinden innovative Lösungen umsetzen und ob „Wachstum“ nachhaltig ist.

Aus Theorie wird Praxis: Holen Sie sich das INHERIT Policy Toolkit!

Welchen Beitrag können Sie zum „Triple-Win“ und der Schaffung einer gesünderen, faireren und nachhaltigeren Zukunft leisten? Lassen Sie sich von diesen Ideen inspirieren – und teilen Sie sie!

Die INHERIT Policy Briefs als Orientierungshilfe für nachhaltige Veränderung

In dieser Reihe von Policy Briefs gibt INHERIT Orientierungshilfen in drei für nachhaltige Veränderung maßgeblichen Bereichen: integrierte Governance, Verhaltensänderung und gesundheitliche Chancengleichheit.

Lernen Sie zehn bewährte Strategien kennen, die lokalen Initiativen beim Erreichen des „Triple-Win“ helfen können

Diese bewährten Strategien wurden 15 INHERIT-Fallstudien entnommen. Sie zielen darauf ab, staatliche und nichtstaatliche interdisziplinäre Akteure, Fachleute sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, einen wechselseitigen Nutzen für Nachhaltigkeit in den Bereichen Gesundheit und Umwelt zu schaffen, und kommen vor allem ärmeren und sozioökonomisch benachteiligten Menschen zugute.

Wie würde ein gesünderes, gerechteres und nachhaltigeres Europa im Jahr 2040 aussehen? Sehen Sie selbst!

INHERIT präsentiert vier positive Szenarien, wie Europa im Jahr 2040 aussehen könnte. Erfahren Sie mehr über die Entstehung der Zukunftsszenarien für das Jahr 2040: Lesen Sie den INHERIT-Bericht „Reaching the Triple-Win“ und lernen Sie die nachhaltigen Lebensstile von Adam, Tereza, Milan und Isabella kennen.

Forschung umsetzen: So verwenden Sie das INHERIT-Modell

Das INHERIT-Modell unterstützt integrierte Governance bei systemischem Denken. Es hilft dabei zu verstehen, wie unterschiedliche Einflüsse auf die Umwelt wirken, und zwar sowohl im „Hier und Jetzt“ – dort, wo wir leben – als auch mit Blick auf das „größere Ganze“, das weiter gefasste Ökosystem und auf zukünftige Generationen.

Entdecken Sie vielversprechende lokale Triple-Win-Initiativen aus ganz Europa in der INHERIT-Datenbank

Über 100 vielversprechende Initiativen in den Bereichen Wohnen (Grünfläche, Energieeffizienz), Mobilität (aktive Fortbewegung) und Konsum (Nachhaltigkeit in Lebensmittelerzeugung und -konsum) wurden in einer INHERIT-Datenbank erfasst.

Auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft – Europäische Nachhaltigkeitspolitik: Fragen und Antworten

Die von Vizepräsident Timmermans vorgestellte Mitteilung über den Weg in eine nachhaltige Zukunft Europas berücksichtigt sowohl die wirtschaftliche, die soziale und die umweltpolitische Dimension der nachhaltigen Entwicklung als auch die zwischenstaatliche Zusammenarbeit innerhalb der EU und weltweit.

WHO-Bericht zeigt Ausmaß der umweltbedingten gesundheitlichen Ungleichheiten

In dem WHO-Bericht werden anhand von 19 Indikatoren Ungleichheiten in Bezug auf städtische Umfelder, Wohn- und Arbeitsbedingungen, die Grundversorgung und Unfallverletzungen in allen Ländern der Europäischen Region der WHO dokumentiert. Nachweislich sind es die sozial am meisten benachteiligten Bevölkerungsgruppen, die am stärksten von Umweltgefahren betroffen sind.

Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung berichtet über Beschleunigung der Klimaschutzmaßnahmen

In ihrem Bericht zum Thema Beschleunigung der Klimaschutzmaßnahmen („Accelerating Climate Action: Refocusing Policies through a Well-being Lens“, Sept. 2019) geht die OECD darauf ein, dass die übergeordneten politischen Ziele (unter anderem) in den Bereichen Verkehrswesen, Lebensmittel und Energie neu ausgerichtet werden müssen.

Die neue Präsidentin Ursula von der Leyen setzt sich für den europäischen Grünen Deal ein

„Er ist Ausdruck unseres Willens, der erste klimaneutrale Kontinent der Welt zu werden. Dahinter steht auch ein langfristiges wirtschaftliches Interesse: Wer zuerst und am schnellsten handelt, wird am ehesten von den Möglichkeiten des ökologischen Wandels profitieren. Ich möchte, dass Europa Vorreiter ist.“

Projekte im Rahmen des Programms „Gesundheit“

EuroHealthNet – die europäische Partnerschaft zur Förderung von Gesundheit, Chancengleichheit und Wohlbefinden

EuroHealthNet konzentriert sich auf die Verbesserung von Gesundheit und die Bekämpfung gesundheitlicher Ungleichheit durch Maßnahmen, die auf sozioökonomische und ökologische Determinanten von Gesundheit ausgerichtet sind, durch die Integration von Zielen für nachhaltige Entwicklung und durch die Beteiligung an der Umgestaltung von Gesundheitssystemen.

JAHEE – Joint Action Health Equity Europe (gemeinsame Maßnahmen gegen gesundheitliche Ungleichheit in Europa)

Hauptziel des Projekts ist es, Gesundheit und Wohlergehen der EU-Bürger zu verbessern und eine größere gesundheitliche Chancengleichheit zu erreichen, indem der Schwerpunkt auf sozioökonomische Determinanten von mit dem Lebensstil verbundenen gesundheitlichen Ungleichheiten gelegt wird. Priorität wird hierbei Migranten eingeräumt, denen der Zugang zu Gesundheitssystemen Schwierigkeiten bereiten kann.

CHRODIS +

In CHRODIS PLUS arbeiten 42 Partnerorganisationen aus 21 europäischen Ländern bei der Umsetzung von Pilotprojekten zusammen und geben praktische Erfahrungen im Bereich nicht übertragbarer Krankheiten weiter.

Weitere Links zum Thema

Ökonomie des Wohlergehens (Schlussfolgerung des Rates unter finnischem Vorsitz)

Blue Health: eine europaweite Forschungsinitiative

EuroHealthNet Informationsblatt: Health Inequalities in Europe (gesundheitliche Ungleichheiten in Europa)