Informationen zu antimikrobiellen Resistenzen
Antimikrobielle Resistenz (AMR) ist die Fähigkeit von Mikroorganismen, in der Gegenwart eines antimikrobiell wirkenden Stoffes, mit dem normalerweise das Wachstum des betreffenden Mikroorganismus gehemmt wird oder dieser Mikroorganismus abgetötet wird, zu überleben oder zu wachsen.
AMR ist eine der größten globalen Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit und Entwicklung. Im Juli 2022 ermittelte die Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten antimikrobielle Resistenzen als eine der drei größten Gesundheitsgefahren, die koordinierte Maßnahmen auf EU-Ebene zur Stärkung der Vorsorge und Reaktion erfordern.
Allein in der EU mit EWR verursachen AMR mehr als 35 000 Todesfälle pro Jahr als direkte Folge von Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien. Diese Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit sind vergleichbar mit denen der Influenza, der Tuberkulose und HIV/AIDS zusammen.
Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zeigen bei fast allen Resistenzkombinationen zwischen Bakterien und Antibiotika vor allem in medizinischen Einrichtungen einen deutlichen Anstieg der Zahl der Infektionen und der damit verbundenen Todesfälle. Es wird geschätzt, dass es sich bei rund 70 % der Fälle von Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien um therapieassoziierte Infektionen handelte.
Zwischen 2025 und 2050 werden voraussichtlich 39 Mio. Todesfälle direkt auf bakterielle AMR zurückzuführen sein.
Antimikrobielle Resistenzen verursachen außerdem erhebliche Kosten, auch für die Gesundheitssysteme und die Wirtschaft. Schätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge entstehen den EU-/EWR-Ländern durch höhere Gesundheitsausgaben und eine verringerte Produktivität der Arbeitskräfte aufgrund von AMR jährlich Kosten in Höhe von fast 11,7 Mrd. Euro.
Weltweit könnten AMR bis 2050 zusätzliche Gesundheitsausgaben von 1 Bio. US-Dollar pro Jahr und bis 2030 Verluste im Bruttoinlandsprodukt von 1 bis 3,4 Bio. US-Dollar pro Jahr verursachen.
Antimikrobielle Resistenzen stellen eine Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Tier sowie die Umwelt dar, da sich Mikroorganismen wie Bakterien in und zwischen allen Sektoren ausbreiten. Dieses Problem muss daher mit integrierten Maßnahmen aus verschiedenen Bereichen angegangen werden, auch bekannt als das Konzept „Eine Gesundheit“.
Intensivierung der EU-Maßnahmen
Am 13. Juni 2023 nahm der Rat auf Vorschlag der Europäischen Kommission als Teil des Maßnahmenpakets Arzneimittel die Empfehlung zur Intensivierung der EU-Maßnahmen zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“ an.
- Informationsblatt
- Fragen und Antworten
- Mitteilung
- Hintergrund des Vorschlags für eine Empfehlung des Rates zu AMR
Mit der Empfehlung des Rates wird der EU-AMR-Aktionsplan im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“ aus dem Jahr 2017 in allen drei Dimensionen des Spektrums des Konzepts „Eine Gesundheit“ (menschliche Gesundheit, tierische Gesundheit und Umwelt) erweitert und ergänzt, um größtmögliche Synergien zu erzielen und antimikrobielle Resistenzen in der gesamten EU wirksam zu bekämpfen.
Ziele der Empfehlung des Rates sind:
- Stärkung der nationalen AMR-Aktionspläne im Rahmen von „Eine Gesundheit“
- mehr Kontrolle und Überwachung antimikrobieller Resistenzen und der Einnahme antimikrobieller Mittel
- mehr Prävention und Eindämmung von Infektionen
- Unterstützung des verantwortungsvollen Umgangs mit antimikrobiellen Mitteln und des umsichtigen Einsatzes von Antibiotika
- konkrete Empfehlungen für Ziele betreffend antimikrobielle Resistenzen und den Einsatz antimikrobieller Mittel für die menschliche Gesundheit
- Verbesserung der Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Aus- und Weiterbildung
- Förderung von Forschung und Entwicklung, von Anreizen für Innovationen sowie des Zugangs zu antimikrobiellen Mitteln und anderen medizinischen Gegenmaßnahmen betreffend AMR
- verstärkte Zusammenarbeit
- mehr globale Maßnahmen
Um die Fortschritte und Ergebnisse, die mit der Umsetzung des AMR-Aktionsplans von 2017 und der Empfehlung des Rates zu AMR erzielt wurden, zu bewerten, gab die Europäische Kommission eine Studie zur Gestaltung eines Überwachungsrahmens in Auftrag.
Am 1. Juni 2023 verabschiedete das Europäische Parlament eine Entschließung zu Maßnahmen der EU zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen.
2017: EU-Aktionsplan zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“
Im Juni 2017 verabschiedete die EU-Kommission den EU-Aktionsplan zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen nach dem Konzept „Eine Gesundheit“, wie in den Schlussfolgerungen des Rates am 17. Juni 2016 von den EU-Ländern gefordert.
Die drei Hauptziele dieses Plans sind:
- Verwandlung der EU in eine „Best-Practice-Region“
- Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation
- Gestaltung der globalen Agenda
Der Plan umfasst mehr als 70 Maßnahmen in den Bereichen Gesundheit von Mensch und Tier sowie Umwelt, deren Fortschritte regelmäßig überwacht werden.
Im Rahmen der Umsetzung des Aktionsplans hat die Kommission EU-Leitlinien für die umsichtige Verwendung antimikrobieller Mittel in der Humanmedizin angenommen. Ziel dieser Leitlinien ist es, die unsachgemäße Verwendung antimikrobieller Mittel zu reduzieren und ihre verantwortungsvolle Verwendung zu fördern.
Sie richten sich an alle Akteure, die am Einsatz antimikrobieller Mittel beteiligt sind. Dies ergänzt die EU-Leitlinien für die umsichtige Verwendung antimikrobieller Mittel in der Tiermedizin.
Zwischen der Annahme des AMR-Aktionsplans im Jahr 2017 und der Annahme des Vorschlags der Kommission für eine Empfehlung des Rates zur Intensivierung der EU-Maßnahmen zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“ haben einige wichtige Initiativen dazu beigetragen, die Reaktionsmöglichkeiten der EU auf die Bedrohung durch antimikrobielle Resistenzen zu verbessern.
Dazu zählt Folgendes:
- Verordnung (EU) 2022/2371 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. November 2022 zu schwerwiegenden grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren
- Verordnung (EU) 2019/6 des Europäischen Parlaments und des Rates über Tierarzneimittel
- Verordnung (EU) 2019/4 des Europäischen Parlaments und des Rates über Arzneifuttermittel
- Durchführungsbeschluss (EU) 2020/1729 der Kommission
- Arzneimittelstrategie für Europa
- Strategischer Ansatz gegen Umweltverschmutzung durch Arzneimittel
- das Ziel, die Gesamtverkäufe von für Nutztiere und für die Aquakultur bestimmten antimikrobiellen Mitteln bis 2030 um 50 % zu reduzieren, wie im Null-Schadstoff-Aktionsplan und in der Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ dargelegt
Sowohl aus dem Programm EU4Health als auch aus dem Programm Horizont Europa werden Mittel für Forschung, Projekte und Studien im Bereich AMR bereitgestellt.
- Wie frühere EU-Maßnahmen im Bereich AMR von vor 2017 zeigen, gehören AMR schon seit Langem zu den Prioritäten der Europäischen Kommission.
„Eine Gesundheit“-Netz der EU zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen
Das „Eine Gesundheit“-Netz der EU zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen, in dem die Europäische Kommission den Vorsitz führt, besteht hauptsächlich aus Regierungsexpertinnen und -experten für Gesundheit von Mensch und Tier sowie Umwelt, den einschlägigen wissenschaftlichen Agenturen der EU, Interessenträgern sowie Sachverständigen der Kommission.
Seine Aufgabe besteht darin, Koordinierung und Dialog zwischen den Bereichen menschliche Gesundheit, Veterinärwesen und Umwelt in den EU-Institutionen, in den Mitgliedstaaten und mit den Interessenträgern bei der Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen zu verbessern.
Dieses Netz tritt in der Regel zweimal jährlich zusammen.
Damit die Mitglieder des „Eine Gesundheit“-AMR-Netzes sich untereinander austauschen können, unterhält die Kommission die EU-Plattform für antimikrobielle Resistenzen. Dieses interaktive digitale Netzwerk soll den Dialog zwischen zuständigen Behörden, Unternehmen, Organisationen der Zivilgesellschaft und Forschenden zu AMR-Problemen fördern, die für die EU von Bedeutung sind.
Sensibilisierungsmaßnahmen
Um auf das Thema antimikrobielle Resistenzen aufmerksam zu machen, hat das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) den Europäischen Tag der Sensibilisierung für Antibiotikaresistenz ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für die Bedrohung durch antimikrobielle Resistenzen und die Bedeutung eines verantwortungsvollen Gebrauchs von Antibiotika zu schärfen.
Im Laufe der Jahre hat sich der Europäische Tag der Sensibilisierung für Antibiotikaresistenz, der jährlich am 18. November zusammen mit der Weltwoche zur Sensibilisierung für Antibiotikaresistenzen begangen wird, zu einer Plattform von globaler Reichweite entwickelt, die im Einklang mit dem Konzept „Eine Gesundheit“ der Kommission zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen mit vielen Ländern außerhalb der EU und einschlägigen Interessenträgern zusammenarbeitet.
Darüber hinaus hat die Kommission im September 2024 eine neue Kampagne gestartet, um das Bewusstsein junger Menschen für antimikrobielle Resistenzen zu schärfen und AMR im Rahmen eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes zu bekämpfen. Die EU setzt sich auch nachdrücklich dafür ein, dass weltweit im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“ entschlossener auf die Bedrohung durch antimikrobielle Resistenzen reagiert wird.





